Das Sterntheater
Heute hat das Sterntheater zwei Säle mit bequemen Kinositzen: Das Stern mit 465 Sitzplätzen und das Sternchen mit 257.
Die Geschichte des STERNTHEATERS

Bereits im Jahr 1946 wird der Plan gefasst, aus den Teilen der Kasernen-Anlage zur Sternstrasse ein Kino zu bauen. Erst nach der Währungsreform werden die Pläne verwirklicht.
Am 4. September 1949 wird aus der alten Reithalle der früheren Wörthkaserne in der Sternstraße das von Dipl.-Ing. A. Farnik aus Heidelberg neu geschaffene STERNTHEATER der Firma Ingo Sinnes von Rhein und Ruhr unter der Direktion von Joachim Bernau als fünftes Göttinger Lichtspielhaus neu eröffnet. Zur Eröffnung wird der Film SCHWARZE NARZISSE mit Deborah Kerr, Jean Simmons und Sabu. gezeigt. Das Theater fasst 941 Besucher und ist somit das größte Kino in Göttingen. Anfangs hatte das Kino einen schweren Stand gegen die bereits etablierten Kinos in der Stadt. Das ändert sich erst durch die Übernahme von Kurt Krause 1956.
15. Oktober 1950: Mit einer Veranstaltung im STERNTHEATER, bei der als Vertreter des Kultusministeriums Oberregierungsrat Alfken-Hannover die Eröffnungsrede hält, beginnt die Volkshochschule ihr Wintersemester 1950/51.
Im Juli 1955 wird das STERNTHEATER auf das CINEMASCOPE-Format umgerüstet. Die Leinwand wird von 28 auf 84 Quadratmeter erweitert und somit ist das STERN das größte CINEMASCOPE-Theater in Niedersachsen. Dem Zuschauer wird ein “echtes Miterleben“ geboten durch einen größeren Blickwinkel.
Die Kinobetreiber hoffen, dass durch die größeren Leinwände das Publikum dem Kino gewogen bleibt. In den amerikanischen Kinos sind in den vergangenen drei Jahren, nach der schlagartigen Einführung des Fernsehens, die Besucherzahlen um bis zu 60 Prozent zurückgegangen sind. Ähnliches wird auch für die Bundesrepublik befürchtet.
Am 01.Juli 1955 übernimmt Kurt Krause, der seit 1951 das Kino DIE KRONE in Göttingen betreibt, von Joachim Bernau das STERNTHEATER. Der Deal wird übrigens bei einem Vatertagsausflug eingefädelt…
Am 19.1.1957 besucht Hauptdarsteller Hans Holth anlässlich der Aufführung seines Filmes DIE TRAPP-FAMILIE das STERNTHEATER. Der Film muss folgend mehrfach prolongiert werden.
Zur festlichen Premiere des Filmes BEL AMI am 19.9.1957 besuchen Johannes Heesters und Marianne Schönauer das STERNTHEATER.
Am 23.10.1957 wird auf der Bühne des STERNTHEATERS „ein Meisterabend froher Unterhaltung“ geboten. Unter den Darbietenden u.a. Trude Herr und Rudi Schuricke.
Am 11.12.1957 wird das Richtfest des STERNCHEN gefeiert. In lediglich 10 Tagen ist der Rohbau entstanden und bereits am 25.12. erfolgt die feierliche Eröffnung mit dem Film KRIEG UND FRIEDEN mit Audrey Hepburn und Henry Fonda.
Das STERNCHEN ist benachbart zum STERNTHEATER, wobei dasselbe Foyer genutzt wird. Mit seinen 408 Plätzen ist das STERNCHEN als Studiokino gedacht, in dem anspruchsvollere Filme gezeigt werden. Das STERNCHEN ist darüber hinaus als „Ausweichtheater“ gedacht, wenn das STERNTHEATER wegen Bühnenveranstaltungen nicht bespielt werden kann.
Ende Januar 1958 tritt Zarah Leander als Höhepunkt und Abschluss eines Unterhaltungsabends im STERNTHEATER auf und singt einige ihrer weltbekannten Hits wie „Yes, Sir“ und „Kann denn Liebe Sünde sein?“.
Am 13.6.1959 eröffnet die Sternklause benachbart zum STERNTHEATER. Die Bier- und Weinstube bietet Platz für 60 Personen.
Im Oktober 1960 wird das STERNTHEATER zum „Flimmer-Auditorium“. Wegen Raummangel werden Vorlesungen der Georg-Augusta-Universität -vorwiegend für Germanisten und Anglisten- in das knapp 1000 Plätze bietende STERNTHEATER verlegt. Der Kinosaal wird dafür mit zusätzlichen Leuchtstoffröhren ausgestattet und vor dem Kino wird Parkraum für 250 Fahrräder geschaffen, um eine Blockierung der Sternstrasse mit Fahrrädern zu verhindern.
Am 29.11.1962 gastiert KLAUS KINSKI im STERNTHEATER mit den klassischen Monologen von Schiller, Goethe und Shakespeare.
Viele bekannte SchauspielerInnen und SängerInnen besuchten im Laufe der Jahre das STERNTHEATER. Im Gästebuch des STERNTHEATER finden sich u.a. Namen wie: Renate Kern (1965), Rex Gildo, Roy Black, Manuela, Udo Jürgens (1966).
Werner Enke (gebürtig aus Göttingen), May Spiels und Uschi Glas stellten am 21.8.1968 den Film ZUR SACHE, SCHÄTZCHEN persönlich vor.
Im Sommer 1986 zieht sich Kurt Krause aus Altergründen aus dem Kinogeschäft zurück und übergibt seine Kinos inklusive Stern/Sternchen an den Hannoveraner Hans-Joachim Flebbe.
Als 1996 die Verlängerung des Mietvertrages mit Hans-Joachim Flebbe ansteht, hat Kurt Krause keine Lust mehr, sein Sterntheater weiter an Hans-Joachim Flebbe zu verpachten, will der doch wenige Monate später in der alten Lokhalle sein CINEMAXX eröffnen. In den UNION-Kinobetrieben aus Hamburg findet Krause ab 15.02.1996 einen Nachmieter, der im Stern und Sternchen weiterhin die großen Blockbuster zeigt.
Im Herbst 2003 gelingt der Cinemaxx AG ein Coup: Fast über Nacht übernimmt der Konzern das STERNTHEATER von der UNION wieder und führt das Kino ab 02.10.03 als Filmkunstkino weiter. So wird zukünftig verhindert, dass attraktive Blockbuster mit zwei Kopien in Göttingen laufen und dem Cinemaxx wichtige Besucher nehmen. Es zeigt sich bald, dass die individuelle Pflege, die ein Filmkunstkino braucht, innerhalb eines großen Kinokonzerns nicht geleistet werden kann und so gibt die Cinemaxx AG das STERNTHEATER zum 1.1.2009 an den heutigen Betreiber ab.
Kurt Krause
Am 31.5. 1935 kontrolliert Kurt Krause zum ersten Mal die Eintrittskarten am ersten Spieltag des elterlichen CAPITOL-Kinos in Berlin-Finkenkrug (Falkensee). Neben der Schule und später dem Studium der Hochfrequenz-Technik lernt Kurt Krause den Kinobetrieb von der Pieke auf. Nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft landet Kurt Krause in Alfeld, da sein ehemaliger Berliner Arbeitgeber dorthin übergesiedelt ist. Als die britischen Besatzer für ein Kino jemanden mit einem Vorführschein suchen, finden Sie Kurt Krause. Da sich die Briten vor Eröffnung des Kinos aus dem Projekt zurückziehen, macht sich Kurt Krause nun selbständig.
Am 2.6.1949 eröffnet Kurt Krause sein erstes Kino, die SCHAUBURG in Alfeld mit 375 Plätzen und dem Marika-Rökk-Film FREGOLA.
Zum Start des Filmes SCHWARZE AUGEN gelingt es Kurt Krause Anfang der 50er Jahre Filmprominenz in seine SCHAUBURG nach Alfeld zu holen. Der Hauptdarsteller Georg Thomalla und die Hauptdarstellerin Inge Egger geben nach der Aufführung in dem ausverkauften Kino Autogramme und gastierten anschließend auf dem Kostümfest des Alfelder Tennisclubs.
In Holzminden eröffnet Kurt Krause im Hillebrechtschen Saal in der Niederen Strasse als zweites Kino der Stadt am 22.12.1949 das CAPITOL mit 300 Plätzen mit dem Film NACHTWACHE. Nachwuchsschauspielerin Angelika Völker stellt sich anlässlich der Eröffnung dem Holzmindener Publikum.
Am 2.2.1954 stellt Inge Egger ihren Film FANFAREN DER LIEBE persönlich im CAPITOL in Holzminden vor.
Als in Göttingen die Sparkasse einen Betreiber für ein Kino in ihrem Neubau sucht, müssen sich die Bankdirektoren außerhalb von Göttingen umschauen, da alle ortsansässigen Kinobetreiber abwinken. Ein Kino mit nur 200 Plätzen erscheint ihnen nicht wirtschaftlich. Einer der Sparkassenchefs hat einen Bruder bei einer Bank in Alfeld. Dieser vermittelt schließlich das Kino an den Alfelder Kinobetreiber Kurt Krause.
Am 31.März 1951 eröffnet Kurt Krause das Lichtspielhaus DIE KRONE in Göttingen, das er fortan als Tageskino mit 7 Vorstellungen täglich führt. Die erste Vorstellung beginnt ab 9.00 Uhr am Morgen. Die täglichen Spätvorstellungen entwickeln sich schnell zum Kult. DIE KRONE unter der Führung von Kurt Krause behauptet sich trotz der für damalige Verhältnisse geringen Platzzahl von 219 Plätzen schnell unter den Göttinger Kinos. Das Programm steht für die „gepflegte Zweitaufführung“.
Am 1.7.1955 übernimmt Kurt Krause das Göttinger STERNTHEATER.
Im April 1955 werden das Holzminder CAPITOL und die Alfelder SCHAUBURG auf CINEMASCOPE umgerüstet. Die Göttinger KRONE folgt im Mai 1955 ohne Spielunterbrechung. Über Nacht wird der Umbau in 8 Stunden durchgeführt.
Am 4.11.1955 eröffnet Kurt Krause das CAPITOL in Peine.
1956 trotzt Kurt Krause dem drohenden leeren Kinosaal in seiner KRONE während des Fussballendspiels zum Deutschen Meister, in dem er im Kinosaal Fernsehgeräte aufbaut.
Am 12. Juli 1957 eröffnet Kurt Krause in Hildesheim das UNION-THEATER am Silberfund auf der Marienburger Höhe (Südstadt) mit 518 Plätzen. Zur Eröffnung läuft PANZERSCHIFF GRAF SPEE. Am 20.12.1957 eröffnet das CITY in der Schuhstrasse in Hildesheim mit 432 Plätzen. Während im UT Nachaufführungen für den Stadtteil gezeigt werden, gelangen im CITY in der Innenstadt internationale Erstaufführungen auf die Leinwand. Es sollen Filme geboten werden, in denen etwas passiert, die spannend sind.
Am 25.12.1955 eröffnet benachbart zum Göttinger STERNTHEATER das STERNCHEN.
1961 wird Kinomann Krause kurzzeitig Filmproduzent
Damals glaubten nur noch wenige Leute an eine Zukunft des Spielfilms. Das Fernsehen setzte sich immer mehr durch, die Besucherzahlen in den Kinos gingen erheblich zurück, die Filmaufbau Göttingen war nach München verzogen nachdem die Landesbürgschaften ausgelaufen waren, Filmaufbau-Gründer Hans Abich wechselte als Programmdirektor zu Radio Bremen. In diese Zeit hinein gründet das Göttinger Kinounternehmer-Paar Charlotte und Kurt Krause zusammen mit Alwin Woesthoff vom DT die Gottinga-Filmgesellschaft (GFG). Mit niedrigem Budget sollten Filme aus einer Hand (Buch, Regie) hergestellt werden. Der erste und letzte Film der GFG KALAMITÄTEN mit Darstellern des DT (Buch+Regie: Alwin Westhoff) war dann auch einer der letzten Produktionen vor Schließung der Göttinger Filmateliers im Dezember 1961.
Dazu ein SPIEGEL-Artikel (DER SPIEGEL 42/1961 vom 11.10.1961):
"Krauses Neue Welle"
AM 1.11.1964 übernimmt Kurt Krause das Göttinger Kino CENTRAL.
1962 Nachtvorstellung in der KRONE
In den Spätvorstellungen der KRONE Anfang der 60er Jahre herrscht ein besonderes Ambiente. Während der Vorstellung springen Besucher auf die Bühne, Wecker rasselen und Beifall wird geklatscht. Kinobesitzer Kurt Krause dazu befragt, sagt wenig schmeichelhafte Dinge über die Kinderstuben der Besucher und verweist durch eine Bekanntmachung im Foyer auf den ganz besonderen Charakter der 22.15 Uhr-Vorstellungen:
„Es wird hiermit bekannt gemacht, dass die Vorstellung um 22.15 Uhr einen ganz besonderen Charakter hat. Zutritt hat jeder geistig ausgereifter Mensch, männlich oder weiblichen Geschlechts, mit einem Alter von mehr als 18 Jahren und einem Alkoholgehalt von weniger als 0,8 Promille. Mitzubringen ist außer dem Eintrittsgeld gesunder Menschenverstand, eine Portion Humor und allerdings auch ein Mindestquantum an Kinderstube.
Nicht mitzubringen sind Kinder, Hunde, Bierflaschen und sonstige, der Konzentration abträglichen Utensilien Sehr erwünscht sind schriftliche Äußerungen und Wünsche jedweder Form, wobei kritische bis saugrobe Stimmen mit besonderer Begeisterung aufgenommen werden. Freien Eintritt haben: Minister, Bundes- und Landtagsabgeordnete (wie fein, wenn auch diese mal kämen), Filmproduzenten, Regisseure, Filmstars (damit sie ihr Publikum kennen lernen) und alle Personen über 80 Jahre. DIE KRONE“ „(Göttinger Presse 17.12.1962)
Die Kinokette von Kurt Krause expandiert in den nächsten Jahren weiter: Vom 1.11.1964 bis 31.11.1976 betreibt Kurt Krause das Göttinger CENTRAL, das PALAST-THEATER in Celle vom 10.2.1967 bis November 1976.
In den 70er Jahren wird trotz allgegenwärtiger Kinokrise weiter expandiert:
Aus der Konkursmasse des ehemaligen Göttinger Kinobetreibers Ernst Heidelberg mietet Kurt Krause ab 27. April 1973 das traditionsreiche CAPITOL in der Prinzenstrasse, Göttingens zweitgrößtes Kino. Am 17.10.1975 übernimmt Kurt Krause vom insolventen Verleih Neue Filmkunst das Göttinger CINEMA. Am 31.10.1975 folgt die Übernahme des Göttinger STUDIOS FÜR FILMKUNST (LUPE).
Am 1.8.1976 übernimmt Kurt Krause die Göttinger Kinos DIE KURBEL, ROYAL und SAVOY vom Uslarer Kinobetreiber Klaus-Peter Schulz. Das CASINO wird vorerst geschlossen Ende August 1976 schließt sich zum letzten Mal der Vorhang in dem traditionsreichen Kino DIE KRONE. Der Vermieter, die Sparkasse braucht die Räumlichkeiten zukünftig selber. Im letzten Jahr des Kinobetriebes liefen TAM-TAM-Pornofilme, die zukünftig im ROYAL gezeigt werden.
Im März 1979 eröffnet der Göttinger Kinobetreiber Kurt Krause (er führt zu diesem Zeitpunkt neun Kinos in Göttingen) in Hannover das GOETHEHAUS am Steintor neu. Aus dem ehemaligen 800-Platz-Theater werden 4 Kinosäle. Aus dem ehemaligen Parkett wird das Große Haus mit 320 Plätzen. Aus dem ehemaligen Balkon wird das Kleine Haus mit 130 Plätzen. Im Untergeschoss entstehen die beiden Säle Mini (72 Plätze) und Hot Movie (60 Plätze).
In Hildesheim entsteht aus dem ehemaligen CITY das CITY-KINO-CENTER mit 3 Sälen. Die 432 Plätze im großen Saal sind für Familienunterhaltung vorgesehen, während im kleinsten Kino mit 58 Plätzen dem Zeitgeist entsprechend erotische Filme angeboten werden.
Ende 1980 und Anfang 1981 ergänzt Kurt Krause sein STUDIO FÜR FILMKUNST im Induna-Centrum um zwei Kinosäle mit je 56 Plätzen. Das geräumige Foyer wird verkleinert und die Räumlichkeiten einer benachbarten Videothek genutzt. Leider haben die beiden kleinen Säle im Gegensatz zum großen Studio-Saal keine Raumhöhe und im Studio 2 kann bis zur Schließung kein Cinemascope-Format vorgeführt werden.
Ende Februar 1986 eröffnet das dreigeteilte CAPITOL in der Prinzenstrasse nach dreijähriger Unterbrechung wegen Umbau (Foto: Kurt+Charlotte Krause mit Tochter Jutta Lübcke und den Enkelkindern im CAPITOL 1). Aus dem ehemaligen 800 Plätze - Haus, das zuletzt noch 540 Plätze hatte, ist aus dem ehemaligen Rang ein Kino-Center mit drei Sälen entstanden mit 252, 78 und 78 Plätzen. Im ehemaligen Parkett zieht ein Supermarkt ein.
Im Sommer 1986 übergibt Kurt Krause seine Göttinger Kinos an den Hannoveraner Hans-Joachim Flebbe und zeiht sich aus dem aktiven Kinogeschäft aus Altergründen zurück.
Mit dreiundachtzig Jahren stirbt Kurt Krause (Jahrgang 1917) am 26.10.2000, langjähriger Besitzer zahlreicher Göttinger Kinos.
Kinogeschichte Göttingen
1923 - Die "Goldenen Zwanziger Jahre" - jene vielgerühmte, nur allzu kurze Blüte Deutschlands nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs - fanden ihren bescheidenen Wiederschein auch in Göttingen. Die Wirtschaft fasste wieder Tritt, die Kultur belebte sich und fand zu neuen Formen. Das neu erfundene Radio gehörte ebenso dazu wie das Kino, das damals im Göttinger Kulturleben zunehmend an Bedeutung gewann. Die älteren Lichtspieltheater "Eden" am Markt und "Central" in der Barfüßerstraße werden in jenen Jahren umgebaut und erweitert, so dass das "Central" schließlich über 450 Sitzplätze verfügte. Hier wird 1930 der erste Tonfilm in Göttingen vorgeführt. 1928 eröffnet in der Prinzenstraße das "Capitol", das mit seinen über 500 Plätzen mehr als ein Prozent der Göttinger Einwohnerschaft aufnehmen kann. Ernst Heidelberg sen. baute das Kino in der Prinzenstrasse/Ecke Stumpfebiel.
In dem Jahr 1938 hat das Stadttheater 132.452 Besucher (Spielzeit 1937/38).
In die Lichtspielhäuser kommen: Capitol: 357.289 Besucher, Eden-Theater: 176.177 Besucher und Zentral-Theater: 249.927 Besucher.
3. Dezember 1948
Im "Eden-Theater" tritt die jetzt in Göttingen ansässige Verleihgesellschaft "Panorama-Film" mit der Westdeutschen Uraufführung des Lustspielfilms "Kein Platz für die Liebe" erstmalig an die Öffentlichkeit.
Die wirtschaftliche Lage seit der Währungsreform am 20. Juni 1948 macht wesentliche Sparmaßnahmen notwendig. Auch der Theaterbesuch geht, wie allerorts, zurück. Die Stadtverwaltung verpachtet daher die im vorigen Jahr neugeschaffenen Kammerspiele in der Hospitalstraße zur Einrichtung als Lichtspielhaus an den Filmtheaterbesitzer Heidelberg jun. Dem Stadttheater bleiben die Kammerspiele allwöchentlich für einige Abende für Aufführungen vorbehalten.
Im "Capitol-Theater" bringt die in Göttingen ansässige Dimnick-Filmproduktion am 7. April 1949 die Uraufführung ihres ersten Filmes "Amico" heraus.
Im November 1949 wird beschossen, wegen knapper finanzieller städtischer Mittel ab 1. Januar 1950 die "Kammerspiele" als Schauspielhaus aufzugeben und ausschließlich als Filmtheater zu verpachten. Die Pachtsumme wird dem Theateretat gutgeschrieben.
Im Garten der "Kammerspiele", Hospitalstraße 1, wird am 15. Juli 1950
ein Freilichtkino mit 600 Plätzen eröffnet, das erste in Westdeutschland.
Anlässlich der hiesigen Uraufführung des von der Göttinger Domnick-Produktion gedrehten Filmes "Unsterbliche Geliebte" (nach der Novelle "Aquis submersus" von Theodor Storm) kommt es am 2.2.1951 im "Central-Theater" zu einer Störung. Gegen eine Wiederbeschäftigung des Regisseurs dieses Filmes, Veit Harlan, im deutschen Filmwesen hat sich im Bundesgebiet eine heftige Opposition erhoben, die Harlan seinen antisemitischen Film "Jud Süß" zum Vorwurf macht, den der während des nationalsozialistischen Regimes gedreht hat. Bei der hiesigen Uraufführung protestierten gleichfalls Zuschauer durch Zwischenrufe, so dass die Vorstellung unterbrochen werden muss. Die Polizei hatte im Amtsgericht eine Bereitschaft untergebracht, die vor dem "Central-Theater" sich bildende Protest-Sprechchöre zerstreut und die Störer der Aufführung aus dem Theater entfernt. Auch die Vorstellungen der nächsten Tage fanden unter Polizeischutz statt, doch ereigneten sich keine Zwischenfälle mehr.
Im Gebäude des ehemaligen Unteroffizier-Kasinos auf dem einstigen Fliegerhorst werden am 19.09.1952 die "Casino-Lichtspiele" eröffnet, das neunte Lichtspielhaus Göttingens, betrieben von Arthur Krüger.
1952 gründet Walter Kirchner (Mitbegründer des studentischen Filmclubs in Göttingen) die Neue Filmkunst Walter Kirchner. Der Filmverleih statet mit dem Titel SCHMUTZIGE HÄNDE. Es folgt der Verleih vieler Filme, die später zu den internationalen Filmkunstklassikern gehören werden. Die Filme von Ingmar Bergman, die Werke des französischen Kinos der 40er und 50er Jahre wie KINDER DES OLYMP von Marcel Carne, ORPHÉE von Jean Cocteau, die ersten Filme von Fellini, Antonioni u.a. Später erscheinen die Werke von Truffaut, Chabrol, Rivette, Godard, Rohmer und Louis Bunuel. Besondere Erwähnung verdienen noch die herausragenden künstlerischen Filmplakate des Verleihs. Bedeutende Grafiker wie Hans Hillmann oder Isolde Baumgart geben den Filmkunstfilmen ein besonderes Image.
Am 28. April 1954 stirbt 72jährig der Besitzer der Filmtheater Capitol, Eden, Kammerspiele und studio für filmkunst, Ernst Heidelberg.
Am 10. August 1954 wird die Eröffnung der "Stadtpark-Lichtspiele" gefeiert.
Am 24. 1957 kommt es nachts zu einem Feuer in den "Kammerspielen" in der Hospitalstraße. Die Inneneinrichtung wird vernichtet.
Im Hause Weender Straße 58 eröffnet am 29.4.1963 eines neuen Lichtspiel-Theater, das CINEMA durch den Filmverleiher Walter Kirchner.
Im Frühjahr 1975 eröffnet Klaus Peter Schulz, der bereits in Südniedersachsen und Nordhessen einige Kinos betreibt (u.a. in Hann. Münden, Melsungen, Uslar, Bad Lauterberg) im Neubau der Gothaer Versicherung in der Weender Straße das Filmtheater DIE KURBEL. Im Sommer wird dieses neue Theater um die beiden Kinos ROYAL (63 Plätze) und SAVOY (69 Plätze) erweitert. Die beiden neuen Kinos sind Studios für Filmkunst.
Am 1.8.1976 übernimmt Kurt Krause die Göttinger Kinos DIE KURBEL, ROYAL und SAVOY vom Uslarer Kinobetreiber Klaus-Peter Schulz. Das ebenfalls von Schulz betriebene CASINO am Flugplatz wird geschlossen.
Das Ehepaar Gabriele und Elmar Schulte eröffnet kurze Zeit (im Januar 1977)später das CASINO in der Grätzelstrasse mit 200 Plätzen erneut, und eröffnet ergänzend im April 1980 in einem umgebauten Fachwerkhaus in der Nikolaistrasse das City 1-3 (72,70, 60 Plätze) als Rauch und Verzehrkino. Die kleinen, typischen Schachtelkinos der 70er Jahre wurden vom Architekten Volker Nielsen ausgestattet, der in den 70er und 80er Jahren einer der meistbeschäftigten Kinoarchitekten war. Entsprechend sahen die von ihm gestalteten Kino-Center der 70-Jahre bundesweit nahezu identisch aus: Die Kinos hatten einen Grundfarbton, meistens orange oder rot, Teppichboden an den Wänden und kleine Tische mit Lampen am Platz, die dem Kino eine „puffige“ Atmosphäre verschaffen.
Am 1.11. 1986 eröffnet das erste alternative Kino der FKI (Film und Kinoinitiative) mit dem Namen „Lumiere“ in den Räumen des Fördervereins Junges Theater in der Geismar Landstraße, die bisher vom Göttinger Symphonieorchester genutzt wurden.
Im Sommer 1986 übernimmt der hannoversche Kinounternehmer Hans-Joachim Flebbe 11 Göttinger-Kinos von Kurt Krause: die Filmkunstkinos CINEMA und Studio im Iduna-Centrum 1-3, das Capitol 1-3, das Royal/Savoy und das Stern/Sternchen. Kurze Zeit später kann Flebbe von Elmar Schulte das Casino und die drei kleinen City-Kinos übernehmen und ist fortan Kinomonopolist für die nächsten Jahre.
Am 15.12. 1988 werden die Kinos SAVOY und ROYAL nach 10tägiger Renovierung mit neuem Programmkonzept wiedereröffnet. Statt Porno-, Action- und Karatefilme werden zukünftig Filmkunstfilme gezeigt, entweder als Verlängerung aus einem anderen Kino oder kleinere Erstaufführungen.
Im Januar 1993 wird entschieden, dass die drei City-Kinos in der Nikolai-Straße, die inzwischen im Besitz des Flebbe-Konzerns in Hamburg sind, nach der Schließung im September 1992 nun doch nicht wieder eröffnet werden. Dafür soll das „Casino“ in der Grätzelstraße renoviert werden, wozu es aber nicht mehr kommt.
Das Göttinger Großkino Cinemaxx öffnet nach knapp 10 Monaten Bauzeit in der Lokhalle die Tore zu einem neuen Kinozeitalter in der Universitätsstadt am 10.12.1996. Zu der Gala-Eröffnungsveranstaltung kommen rund 800 Gäste. Das Kino bietet in 9 klimatisierten Sälen 1.680 Personen Platz, welche die Filmdarbietungen auf Riesenleinwänden von bis zu 9x18 Metern verfolgen können. Es ist das erste Projekt der neuen Nutzung der ehemals bereits zum Abriss freigegebenen Lokhalle auf der Bahnhof-Westseite.
30.06.1997. Die Kinos ROYAL und SAVOY im Gebäude der Gothaer-Versicherung in der Weender Strasse und das STUDIO 1-3 im Iduna-Zentrum werden in Folge stark rückläufiger Besucherzahlen nach Eröffnung des CINEMAXX geschlossen.
Nach der letzten Vorstellung im STUDIO können die Besucher die Kinostühle ausbauen und als Andenken mit nach Hause nehmen.
Die Filmkunstfilme, die bisher in diesen Kinos gezeigt wurden, werden zukünftig im CAPITOL 1-3 gezeigt.
Klar ist jetzt auch, dass das CASINO in der Grätzelstrasse nach einem Brandschaden nicht wieder als Filmtheater hergerichtet wird.
Zum 28.04.1999 schließt das CINEMA seine Türen unter der Regie des Cinemaxx-Konzerns, um ab Mai von seinem Gründer, Walter Kirchner, wieder betrieben zu werden. Ab 13.05. spielt das CINEMA Filmklassiker und anspruchsvolle, neuere Filme als Ergänzung zum Programm des Kommunalen Kinos LUMIÈRE.
Im Herbst 2003 gelingt der Cinemaxx AG ein Coup: Fast über Nacht übernimmt der Konzern das STERNTHEATER ab 02.10. wieder und führt das Kino als Filmkunstkino weiter. So wird zukünftig verhindert, dass attraktive Blockbuster mit zwei Kopien in Göttingen laufen und dem Cinemaxx wichtige Besucher fehlen. In der Folge fehlen besucherstarke Filmkunstfilme im Capitol, welches seit der Eröffnung des Cinemaxx die attraktiven Filmkunstfilme vorführte. Schließlich schließt das CAPITOL am 30.06.2004.
Mit der durch schwindende Besucherzahlen verursachten Schließung des „Capitol" in der Prinzenstraße geht ein Kapitel Göttinger Kinogeschichte zu Ende. Das 1928 eröffnete "Capitol" war das älteste noch bestehende Kino in Göttingen.
Am 1. Januar 2009 öffnete das Kino Sterntheater unter neuer Leitung und gehört nun zur Vereinigten Kino Betriebe GmbH.
Wir danken Charlotte Krause und der Familie Lübcke für die vielen Informationen, Quellen und für die zur Verfügung gestellten Fotos.
Weitere Quellen: Göttinger Stadtarchiv, Göttinger Tageblatt, Göttinger Presse, Filmblätter, Filmwoche, Filmecho, Cellesche Zeitung, Hildesheimer Presse, Hildesheimer Allgemeine, Alfelder Zeitung, Täglicher Anzeiger Holzminden.